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Ambulant Betreutes Wohnen

Dieses Hilfeangebot ist eine Dienstleistung für einen Personenkreis, der bislang durch die unzureichende Ausstattung an psychosozialer Versorgung besonders betroffen ist.

Es versteht sich als ein in der Tradition der Einrichtung stehendes niederschwelliges Hilfeangebot, das ambulantaufsuchend im Sinne einer Geh-Struktur organisiert ist. Abstinenz kann ein Ziel des Hilfeangebots sein, jedoch nicht dessen Voraussetzung.

Das Ambulant Betreute Wohnen ist seit 1999 ein Angebot für drogenabhängige Menschen, die vorübergehend oder längerfristig einen erhöhten Bedarf an Unterstützung haben und alleine oder mit Angehörigen in einer eigenen Wohnung leben. Durch das Niederschwellige Angebot bedingt ist es eine Schnittstelle zum Café KontaktCentrum.

Obwohl das Angebot regelmäßige persönliche Kontakte in Form von Hausbesuchen beinhaltet, können auch gegenwärtig wohnungslose Menschen in das Ambulant Betreute Wohnen aufgenommen werden.

Inhalt und Umfang der Leistungen im ambulant betreuten Wohnen

Hilfebereiche

Betreuung und Förderung umfassen insbesondere folgende Leistungen:

  • Hilfen im Bereich Selbstversorgung (Wohnen/Wirtschaften)
  • Hilfen im Bereich Tagesgestaltung
  • Hilfen im Bereich persönliche und soziale Beziehungen (Umfeld)
  • Hilfen im Bereich Beschäftigung/Arbeit/Ausbildung

Die Störungen und Beeinträchtigungen in den gesamten Bereichen beeinflussen sich wechselseitig, so dass auch die zu leistenden Hilfen im Zusammenhang zu sehen sind.
Aus den Leistungsbereichen ergeben sich personenbezogene Leistungen, die für den jeweiligen Einzelfall zielgerichtet kombiniert werden müssen.

Leistungen
im
Bereich Selbstversorgung/Wohnen/Wirtschaften

Hilfestellung zur eigenständigen Haushaltsführung, Selbstversorgung und der Einteilung des Einkommens

  • Hilfe bei der Erhaltung der Mietfähigkeit
  • Beratung und Unterstützung bei behördlichen Angelegenheiten
  • Motivierung zur Inanspruchnahme weiterer Beratungsleistungen (z.B. Mieter- oder Schuldnerberatung)

im Bereich Tagesgestaltung

  • Hilfe zur Einhaltung notwendiger Verpflichtungen (z.B. Termine, Absprachen)
  • Hilfe zu einer selbstorganisierten, aktiven Freizeitgestaltung
  • Beratung und Unterstützung zur Teilnahme am gesellschaftlichen Leben

im Bereich persönliche und soziale Beziehungen 

  • Beratung zur Aufnahme, Klärung und Wiederherstellung von familiären Beziehungen
  • Vermittlung von Konfliktbewältigungsstrategien und Förderung der sozialen Kompetenz
  • Hilfe bei der Bearbeitung von Krisensituationen
  • Motivierung zur Inanspruchnahme weiterer Beratungsleistungen (z.B. Erziehungs-, Familienberatung) 

im Bereich Beschäftigung/Arbeit/Ausbildung 

  • Hilfe bei der beruflichen Orientierung und Unterstützung bei der Realisierung einer Ausbildung für einen angemessenen Beruf oder eine angemessene Tätigkeit
  • Motivierung zur Inanspruchnahme von Qualifizierungs-, Ausbildungs-, Arbeits- und Beschäftigungsmaßnahmen
  • Beratung zur Antragstellung für Arbeitslosengeld I, Leistungen der Grundsicherung für Arbeitssuchende nach dem SGB II (z.B. Arbeitslosengeld II, Sozialgeld), Ausbildungsförderung, Berufsausbildungsbeihilfe, Leistungen der Sozialhilfe nach dem SGB XII (z.B. Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung, Hilfe zum Lebensunterhalt), Wohngeld, etc.
  • Motivierung zur Inanspruchnahme weiterer Beratungsleistungen

Schwerpunkte

Je nach individueller Problemlage können die Schwerpunkte der Zusammenarbeit variieren:

  • Sicherstellung der medizinischen Versorgung
  • Hilfestellung in Krisen- und Konfliktsituationen
  • Unterstützung im Umgang mit Schriftverkehr und Begleitung bei Behördengängen
  • Hilfen bei der Regelung finanzieller Angelegenheiten / Schuldenregulierung
  • Entwicklung von Tagesstruktur und Freizeitgestaltung
  • Unterstützung bei Wohnraumsuche und -einrichtung
  • Hilfen bei der beruflichen Orientierung

Grundsätzliches

Die Erfahrungen der letzten Jahre zeigen, dass eine unzureichende Ausstattung an psychosozialer Begleitung bei einem Teil der Substituierten zu einem Lebenskreislauf führt, der sich durch Rückfall/ Beigebrauch - partielle Entgiftung - Entlassung in eine sozial nicht abgesicherte und damit instabile Situation beschreiben läßt.

Ein Kontakt zur Beratungsstelle im Sinne der "Komm-Struktur" ergibt sich häufig nur in akuten Krisensituation, wo dann lediglich kurzfristige Kriseninterventionen nachgefragt werden.

Nach Untersuchungen von Prof. Gastpar im Rahmen des Landeserprobeungsvorhabens Methadon leiden ca. 70% der Drogenabhängigen unter einer behandlungsbedürftigen psychischen Störung. Aus diesem Grunde sind sie aus Krankheitsgründen nicht in der Lage, längerfristige Beratungskontakte aufzunehmen und durchzuhalten. In dieser Situation soll für den beschriebenen Personenkreis das Hilfsangebot "Psychosoziales Komplexangebot" kompensierend eingreifen, um dem Prozeß einer weiter fortschreitenden gesundheitlichen und sozialen Desintegration zu begegnen.

Im Blickfeld dieses Arbeitsansatzes stehen die wesentlichen Lebensfelder Behandlung, Rehabilitation und Eingliederungshilfe mit dem Ziel einer umfassenden medizinischen und beruflichen Rehabilitation.

In Bezug auf aktuellen Bedürfnissen des Klienten soll ein individueller Hilfeplan entwickelt werden, der lösungsorientiert an den Ressourcen des Klienten anknüpft.

Der Arbeitsansatz "Psychosoziales Komplexangebot" ist ein weiterer Baustein zur Umsetzung des gemeindepsychiatrischen Grundsatzes "ambulant vor stationär" und trägt der Erkenntnis Rechnung, dass zahlreiche Drogenkonsumenten von den bestehenden stationären Einrichtungen aus unterschiedlichen Gründen nicht erreicht werden.

Er soll einen Beitrag dazu leisten, wohnortferne stationäre Maßnahmen gegenüber ambulanten Komplexangeboten zurückzufahren und damit an der realen Situation von Konsumenten illegalisierter Drogen ansetzen.

Der Weg ins Ambulant Betreute Wohnen

Folgende Schritte sind notwendig, um das Angebot des Ambulant Betreuten Wohnens wahrnehmen zu können:

• Sie können entweder direkt Ihre Situation den Hilfeplaner/innen des Landschaftsverband Westfalen-Lippe, die in Gelsenkirchen vor Ort im Gesundheitsamt (Raum 104) sitzen, oder den Berater/innen in unserer Einrichtung schildern.

• Anschließend finden zwei Gespräche mit den Hilfeplaner/innen des Landschaftsverband Westfalen-Lippe statt, zu dem Sie z.B. Ihre/n Berater/in unserer Einrichtung auf Ihren Wunsch hin begleitet.

• Gemeinsam mit Ihnen wird im zweiten Gespräch ein Hilfeplan entwickelt, der sich an Ihren Bedürfnissen orientiert.

• Wenn die Hilfeplaner/innen des Landschaftsverband Westfalen-Lippe die Notwendigkeit der Leistung des Ambulant Betreuten Wohnens anerkennen, übernehmen wir gerne Ihre weitere Betreuung.