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Beratung von Menschen mit einem gestörten Essverhalten

Ein gestörtes Essverhalten allein ist noch keine Essstörung und muss es auch nicht werden. Doch der Übergang ist fließend, wobei es fördernde und schützende Faktoren gibt. Wie wichtig sind Figur und Gewicht für das Selbstwertgefühl? Es lohnt sich, Schönheitsideale zu hinterfragen.

 Ein gestörtes Essverhalten allein ist noch keine Krankheit. Aber es kann sich eine daraus entwickeln. Deshalb raten wir dazu, wachsam zu sein. Die Diagnose „Essstörung“ können nur Fachleute stellen. Essen befriedigt Bedürfnisse.

Essen ist ein Grundbedürfnis, das unser Überleben sichert. Doch Essen vermittelt gleichzeitig soziale Identität, es ist Ausdruck der Persönlichkeit, durch unsere Kultur geprägt und ganz stark mit unseren Gefühlen verbunden. Liebe geht durch den Magen, Stress schlägt darauf, bei einigen führt er zum Kummerspeck. Viele Menschen essen nicht nur, wenn sie hungrig sind, und nicht immer wählen sie vernünftig und ausgewogen aus. Essgestört sind sie deshalb noch lange nicht. Doch wenn die psychische Komponente auf Dauer überwiegt, wenn Essen das wichtigste Mittel wird, um zum Beispiel Stress oder Kummer zu bewältigen, wenn sich die Gedanken zunehmend nur noch ums Essen und um das Gewicht drehen, dann gerät das gesunde Essverhalten aus dem Gleichgewicht.

Jugendlicher Essalltag

In der Ablösungsphase vom Elternhaus, auf der Suche nach der eigenen Persönlichkeit, steht auch das Essen in der Familie zur Diskussion. Die typischen Brüche und Widersprüchlichkeiten in dieser Phase der Entwicklung spiegeln sich im Essverhalten wider. Verbindliche gemeinsame Familienmahlzeiten geben Sicherheit und Geborgenheit, machen aber auch die Nähe und Abhängigkeit zum Versorger deutlich. Essen oder Mahlzeiten verweigern kann zu einem mächtigen Mittel werden, um Eltern ihre Grenzen aufzuzeigen.

Von Auffälligkeiten zur Krankheit

Auch wenn nicht jede Auffälligkeit zwangsläufig in eine Essstörung führt, sollten Eltern, Lehrkräfte und Vertrauenspersonen von Kindern und Jugendlichen wachsam sein. Denn: Der Übergang von gestörtem Essverhalten zur Krankheit Essstörung verläuft schleichend.

Wenn aus merkwürdigen Verhaltensweisen oder einer Diät ein Dauerzustand wird, wenn sich die Einstellung zum Essen verändert, nicht mehr lustvoll und mit Genuss gegessen wird, wenn sich das betroffene Mädchen oder der betroffene Junge stark mit Figur und Gewicht beschäftigt und auch in seinem sonstigen Verhalten oder Wesen wandelt, oder wenn sie bzw. er stark oder schnell an Gewicht verliert, dann müssen Eltern und Lehrer*innen handeln.

Denn: Essstörungen sind zwar vergleichsweise seltene, aber schwere seelische Krankheiten, die auch dem Körper massiv schaden.