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Die Konzeption unserer Arbeit

Die niederschwellige Grundorientierung der Arbeit unserer Einrichtung findet sich auch in der Ziel- und Umsetzung dieses Konzepts wieder.

Der suchttherapeutische Grundgedanke, dass der Kunde die volle Verantwortung für sein Denken und Handeln hat, ist hier teilweise durch reale Lebenshilfen erweitert.

Stabile Beigebrauchsfreiheit wird sich erst dann einstellen, wenn eine subjektiv höher bewertete Perspektive als Alternative zum bisherigen Lebensstil erkennbar wird.

Hilfeangebote

Die konkreten Hilfeangebote orientieren sich am Einzelfall und kann Unterstützung in folgenden Lebensbereichen enthalten:

  • medizinische Rehabilitation
  • Körperpflege, Ernährung, Bekleidung
  • Einrichtung, Gestaltung und Pflege der Wohnung
  • Haushaltsführung
  • Umgang mit Geld
  • Schriftverkehr
  • Behördengänge
  • Schuldnerberatung
  • Rechtsberatung
  • soziale Kontakte, Einbindung in familiäre und freundschaftliche Beziehungen sowie in Erlebnisorientierte Freizeitaktivitäten
  • sinnvolle Strukturierung des Tages
  • Überwindung von Schwellenängsten beim Zugang zum gesellschaftlichen/kulturellen Leben
  • Berufliche Rehabilitation je nach aktueller Fähigkeit über Arbeit, Schule, Ausbildung oder Umschulung.

Betreuung

Es wird in der Anfangszeit der Betreuung ein enger Rhythmus der Kontakte erforderlich sein. Im Rahmen der aufsuchenden Arbeit sind folgende Elemente unerläßlich:

  • regelmäßige Einzelgespräche
  • zuverlässige Präsenz des Ansprechpartners
  • verbindliche Vereinbarungen in Bezug auf die Zusammenarbeit

Der Verlauf der Arbeit soll beobachtet und dokumentiert werden. Dies dient nicht nur der Erfolgskontrolle und Qualitätssicherung. Diese Herangehensweise ermöglicht auch die differenzierte Wahrnehmung individueller Fortschritte sowie deren positive Verstärkung.

Umsetzung

Ein weiteres Element ist die Sicherung der materiellen Lebensgrundlagen. Hier gewinnt die Kooperation mit den beteiligten Institutionen besonderer Bedeutung.
Es ist leider immer noch häufig notwendig, Kunden bei der Durchsetzung ihrer Ansprüche beim Arbeits- oder Sozialamt zu unterstützen.

Im Rahmen der Beratungsarbeit wird dem Kunden ein konstantes Beziehungsangebot gemacht, das ihm ermöglicht, verschüttete soziale Kompetenzen (wieder)zu entdecken.
Die Beratungsperson versucht durch seine Haltung eine Atmosphäre zu schaffen, in dem beigebrauchsfreies Verhalten begünstigt wird, etwa durch Einbeziehung der immer wieder auftretenden Rückfälle. Diese müssen nicht vertuscht oder verschwiegen werden, sondern sind integraler Bestandteil der Behandlung und werden eher als Chance denn als wiederholtes Scheitern gesehen.

Die regelmäßigen Besuche ermöglichen auch die Arbeit an der Beziehung. Innerhalb der Beziehung wird der Kunde in die Lage versetzt, sich als Gegenüber zu empfinden, sich in seiner Lebenssituation auf einem anderen Niveau zu stabilisieren. Das ist die Grundlage dafür, überhaupt erst Lebensalternativen wahrzunehmen und schrittweise als positiv erlebte Veränderungen zu vollziehen.

Um diese Veränderungen anzustreben, ist es notwendig, dass der Kunde die Frage des Wozu für sich klärt.
Dies ist ein zentraler Punkt in der Arbeit. Es gilt, das bisherige Wertesystem zu überprüfen und sich aus der Enge der überlebten Formen zu lösen.

Über die Entwicklung Vertrauen in eine andere Person kann Selbstvertrauen wachsen.

In daraus resultierender zunehmender Selbstverantwortung kann sich der Blick weiten für eine selbst zu entwickelnde Zukunftsperspektive. Die Einbeziehung der Selbstheilungskräfte des Kunden ist dabei wesentliches Element in unserer Arbeit.

Ziele

Vorrangiges Ziel niederschwellig orientierter Angebotsformen ist die Sicherung des Überlebens.

Nichtsdestoweniger ist das hier vorgestellte Konzept auf Ausstieg ausgerichtet. Dabei ist immer zu beachten, dass auch der Ausstieg aus der Drogenabhängigkeit (unabhängig davon, ob mit oder ohne medikamentöse Unterstützung durchgeführt) keine einmalige Entscheidung ist, sondern ein längerwährender Prozeß der Ablösung, der sich an mehreren Etappenzielen orientiert:

  • Sicherung des Überlebens - gesundheitliche und soziale Stabilisierung
  • Ausstieg aus der " Szene"
  • Ausstieg aus dem permanenten Beikonsum
  • Ausstieg aus der Selbstvernachlässigung
  • Ausstieg aus den tradierten Lebensgewohnheiten und eingefahrenen Reaktions- und Handlungsmustern
  • Ausstieg aus dem gelegentlichen Beikonsum
  • Ausstieg aus der Substitution und
  • Einstieg in die bewußte Gestaltung des eigenen Lebens

Es ist zu berücksichtigen, dass andauernde Abstinenz/ Suchtmittelfreiheit in der Regel erst längerfristig angestrebt und realisiert werden kann. In manchen Fällen ist sie überhaupt nicht zu erreichen.