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Prävention

Um die verschiedenen Möglichkeiten der Sucht- und Drogenprävention vor Ort besser zu erfassen, zu nutzen und zu koordinieren sowie dem Bürger für die Suchtvorbeugung zu sensibilisieren, besteht seit dem Sommer 1993 bei der Drogenberatung Kontaktcentrum ein eigenständiger Bereich als Fachstelle für Suchtvorbeugung.

Dieses Aufgabengebiet wird von zwei Prophylaxefachkräften wahrgenommen, die vorwiegend im primärpräventiven Bereich tätig sind. Primärprävention setzt im Vorfeld einer möglichen Suchtentwicklung an und richtet sich an Kinder und Jugendliche sowie deren Bezugspersonen.

 

Grundverständnis von Suchtvorbeugung

Zum Verständnis der heutigen Suchtvorbeugung ist ein Rückblick auf die suchtpräventive Arbeit früherer Jahre erforderlich.
Die Notwendigkeit suchtvorbeugender Arbeit wurde mit dem beginnenden bzw. fortschreitenden Konsum illegaler Drogen, Ende der 60er / Anfang der 70er Jahre deutlich. Es wurden Maßnahmen entwickelt, um die Jugend vor dem Mißbrauch von Drogen zu bewahren.
Diese "traditionelle" Suchtvorbeugung setzte im Jugendalter ein und der Blick richtete sich fast ausschließlich auf den Bereich der illegalen Drogen.
Im Mittelpunkt stand dabei der Begriff der "Abschreckung". Filme wie Christiane F., Poster und Broschüren, die das Elend der Fixer und Fixerinnen aufzeigten, sollten den Jugendlichen vor Augen führen, dass der Griff zu den Drogen nur Unheil bringe.
Auf einer zweiten Ebene wurde der Versuch unternommen, die Jugendlichen durch möglichst genaue Information über Wirkungsweisen, Zusammensetzung und Gefahren der einzelnen Suchtstoffe, vom Konsum derselben abzuhalten.

Unter'm Strich blieb nach vielen Jahren die bittere Erkenntnis, dass weder abschreckende Maßnahmen noch reine Informationsvermittlung der Drogenproblematik gerecht werden konnten. Die Zahl der Drogenkonsumenten und Drogenopfer stieg trotz der vielen Anstrengungen und die traditionelle Form der Suchtvorbeugung verpuffte weitestgehend wirkungslos.

Sowohl der Einsatz abschreckender Beispiele, der beim Betrachter häufig zu Distanzierung ("Das kann mir nicht passieren") führte, als auch die suchtmittelbezogene Aufklärung, Vernunftsappelle und Belehrungen gingen aus heutiger Sicht von der Fehleinschätzung aus, dass das Phänomen Sucht über den Verstand zu steuern sei.

Viel entscheidender für die suchtvorbeugende Arbeit ist aber die Frage: Warum werden Menschen süchtig?
Denn erst, wenn wir erkennen und verstehen, warum die Entwicklung vieler Kinder und Jugendlicher in Suchtkarrieren enden, ist es auch möglich, sinnvolle suchtvorbeugende Maßnahmen zu entwickeln.
Es gibt bis heute keine allumfassende, eindeutige Erklärung der Entstehungszusammenhänge von Sucht. Dies ist wohl auch deshalb so schwierig, weil es sich um ein vielschichtiges Problem mit einer großen Zahl unterschiedlichster Erscheinungsformen handelt.
Einigkeit besteht darin, daß bei der Entstehung von Suchtverhalten immer eine Vielzahl von Faktoren von Bedeutung sind.
Hierzu zählen Faktoren in der Persönlichkeit des Einzelnen (z. B. Sozialisationsdefizite, Mangel an Frustrationstoleranz und Konfliktfähigkeit, etc.), der ihn umgebenden Umwelt (z. B. Suchtpotential, Verfügbarkeit, Wirkungsweise, etc.).
Die einzelnen Faktoren stehen immer in Wechselwirkung miteinander und können bei jedem einzelnen Suchtkranken ganz unterschiedlich gelagert, kombiniert und gewichtet sein. In jedem Falle ist Sucht keine Krankheit, die plötzlich und unerwartet auftritt.

Jede Sucht hat eine Geschichte,
die oftmals bereits
in der frühen Kindheit beginnt.

Ausgehend von den Erkenntnissen der Entstehungszusammenhänge von Sucht hat sich in den letzten Jahren der "ursachenorientierte Ansatz" in der Suchtvorbeugung mehr und mehr durchgesetzt und findet heute breite, wenn nicht gar ungeteilte Zustimmung im Suchthilfesystem.

Ziel der Suchtvorbeugung

Auch wir als Fachstelle für Suchtvorbeugung arbeiten im Sinne des "ursachenorientierten Ansatzes".
Grundlegendes Ziel der suchtvorbeugenden Arbeit auf der individuellen Ebene ist die Förderung der Persönlichkeitsentwicklung von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen.
Ein gesundes Selbstwertgefühl zu entwickeln, Konfliktfähigkeit zu erlernen und für sich ein aktives, sinnerfülltes Leben gestalten zu können, sind wichtige Voraussetzungen, um mit den immer wieder auftretenden Krisenzeiten des Lebens umgehen zu können.
Dass eine so angelegte Suchtvorbeugung bereits im Kindesalter beginnen muss, versteht sich fast von selbst.

Auf einer zweiten Ebene gilt es auch, suchtfördernde Faktoren im Umfeld von Kindern und Jugendlichen zu erkennen und möglichst abzubauen.
Hier stellen sich Fragen z.B. nach der Gestaltung des Alltags in Familie, Kindergarten und Schule. Aber auch nach den Möglichkeiten von unterstützenden Maßnahmen im Jugendfreizeitbereich.
Sucht ist ein gesamtgesellschaftliches Phänomen und beschränkt sich keineswegs auf Randgruppen. Das von der Öffentlichkeit am stärksten beachtete Problem der illegalen Drogen bildet lediglich die Spitze des Eisberges von Suchtproblemen insgesamt.

So stehen der geschätzten Zahlen von ca. 250.000 Heroinabhängigen, ca. 800.000 Medikamentenabhängige und 2.500.000 behandlungsbedürftige Alkoholiker gegenüber.

Suchtvorbeugung, die ganzheitlich an den Ursachen ansetzt, bietet die größte Chance, Kinder und Jugendliche in ihrer Entwicklung so zu fördern, daß sie ihr Leben auch ohne Suchtverhalten bewältigen können.

Zielgruppen präventiver Arbeit

Entsprechend der Erkenntnis, dass Sucht nicht plötzlich und unerwartet auftritt, sondern dass Suchthaltungen oftmals bereits im frühen Kindesalter gelegt werden, bildet die Schulung von Multiplikatoren und Multiplikatorinnen den Schwerpunkt unserer Arbeit.
Denn gerade Eltern, ErzieherInnen, LehrerInnen, etc., die den täglichen Umgang mit Kindern und Jugendlichen pflegen, können in der Entwicklung der jungen Menschen noch vieles bewegen.

Im Folgenden ein Überblick über unsere gesamte Angebotspalette:

  • Fortbildung von MultiplikatorInnen (Eltern, LehrerInnen, ErzieherInnen, MitarbeiterInnen aus Jugendeinrichtungen, etc.)
  • Mitwirkung bei Eltern-, Schul- und Klassenpflegschaftsveranstaltungen · Mitgestaltung und Unterstützung bei Schulprojekten
  • Projektarbeit mit Kinder- und Jugendgruppen
  • Durchführung von und Beteiligung an öffentlichkeitswirksamen Kampagnen
  • Bereitstellung einer umfangreichen Infothek für Berufsgruppen und sonstige Interessierte
  • Kooperation mit den in der Suchtprävention tätigen Institutionen / Einrichtungen / Verbänden

Suchtprävention und - noch mehr!

Ursachenorientierte Suchtprävention ist mehr als "nur" der Versuch, eine mögliche Suchtentwicklung zu verhindern. Eine so verstandene Suchtvorbeugung ist darauf angelegt, dem Einzelnen soziale Kompetenzen zu vermitteln, die ihn befähigen, Entscheidungen für sein Leben zu treffen, selbstverantwortlich sinnerfüllte Lebensperspektiven zu erarbeiten und sich den gesellschaftlichen Herausforderungen zu stellen.

Kinder und Jugendliche, die mit einer klaren Orientierung, Selbstbewußtsein und Eigeninitiative in der Lage sind, ihr persönliches "Lebenskonzept" zu entwickeln, sind auch viel eher davor geschützt, in Jugendarbeitslosigkeit, gewalttätiges Verhalten, etc. abzurutschen. Natürlich müssen auch gesellschaftliche Anstrengungen unternommen werden, um diesen drängenden Problemen zu entgegenen.

Den Jugendlichen allein die Verantwortung zu übertragen, wäre sicherlich der Problematik nicht angemessen. Dennoch ist eine wesentliche Voraussetzung zur Behebung dieser Probleme, dass wir alles tun, um unsere Kinder "stark" zu machen. Hier besteht langfristig die Chance, enorme Folgekosten durch problematische Entwicklungen abzuwenden.