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Niederschwellige Hilfen

Niederschwellige Angebote verstehen sich im Rahmen akzeptierender Suchtarbeit. Mit diesem Selbstverständnis ist es nicht vereinbar, den suchtabhängigen Menschen zur Schaffung einer Ausstiegsmotivation die Erfüllung existentieller menschlicher Bedürfnisse zu verwehren. Es sollen vielmehr problemlagenadäquate Angebote gemacht werden, die den bisher Unerreichten und Unversorgten eine aus ihrer Sicht akzeptable Anlaufstelle zu öffnen.
In diesem Sinne kann niederschwelliges Angebot sowohl karrierebegleitende Langzeitbetreuung sein als auch ein allgemeines Beratungsangebot.

 

Niederschwellige Arbeit

Niederschwellige Arbeit ist ein Serviceangebot, dass sich auf eine Erweiterung des persönlichen Kontakts und Austausches zwischen BesucherInnen und MitarbeiterInnen der Drogenhilfe ausrichtet. Darüber hinaus werden konkrete lebenspraktische Hilfen sowie Angebote zur Gesundheitsfürsorge bereitgestellt.
Es sind allesamt Angebote, die in Situationen sozialer Desintegration kompensierend eingreifen.

Die Leistungen niedrigschwelliger Angebote stehen den BesucherInnen unverbindlich und vorbehaltlos zur Verfügung, sofern Grundregeln wie Verzicht auf Handel mit illegalen Drogen und Anwendung von Gewalt eingehalten werden. Dies sind Auflagen, die für die Existenz der Einrichtung unverzichtbar sind. Die Gewährung der Hilfe ist zieloffen, Suchtabstinenz dominiert nicht als strategisches Ziel.

Es wird als sinnvoll erachtet, niederschwellige Angebote in ein Spektrum von Angeboten zu integrieren, so dass entsprechend dem aktuellen Bedarf die Einleitung einer stationären medizinischen Behandlung, die Beschaffung von Wohnraum oder Unterkunft, die Hinführung zu einer Substitutionsbehandlung oder Vermittlung in eine adäquate Einrichtung, ermöglicht werden kann.

Akzeptierende Angebote

Akzeptierende Angebote sehen die Verbindlichkeit darin, ohne schwellenangsterzeugende Bedingungen mit Engagement und Sachkompetenz, wenn dringend professionelle Hilfe gebraucht wird.
Existenzkrisen und daraus resultierende Hilfsbedürfnisse entstehen unabhängig vom Vorhandensein einer Ausstiegsmotivation. Daher werden Hilfsangebote ohne unbedingtes Beharren auf Suchtfreiheit unterbreitet.

Hier wird der Sinn lebenspraktischer Hilfen und anderer niederschwelliger Angebote verkannt. Sie sollen den Abhängigen nicht ersparen, sich selbst um die Organisation ihres Alltags zu kümmern, sondern gezielte professionelle Hilfen zu geben, wenn aufgrund individueller Motivationskrisen oder resignationsfördernder objektiver Bedingungen die Eigeninitiative zu ersticken droht.

Das Selbsthilfepotential und die Selbststeuerungsfähigkeit von Abhängigen wird in akzeptierenden Angeboten ernstgenommen.
Es sind zum einen Menschen, denen es nicht gelingt oder die es nicht anstreben, in der ambulanten Beratung tragfähige Zukunftsperspektiven zu entwickeln und suchtfrei zu werden. Zum anderen sind es Menschen, die in einen Beratungskontakt eingebunden sind und das niederschwellige Angebot als flankierende Maßnahme für sich in Anspruch nehmen.

Neben akut Abhängigen und Substituierten zählen hierzu insbesondere KundInnen, die als "stolperclean" bezeichnet werden können. Ihr Konsumverhalten ist durch abwechselnde Phasen von Suchtkonsum und Abstinenz.