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Was ist Methadon / Polamidon ??

Methadon / Polamidon ist eine synthetische Droge. Es wurde in Deutschland während des 2. Weltkriegs von der pharmazeutischen Industrie entwickelt und hergestellt, um einen Ersatzstoff für das knapp werdende Opium zur Verfügung zu stellen und wurde als schmerzstillendes Medikament eingesetzt.

Zehn Milligramm Methadon entsprechen zwei Milliliter L-Polamidon.
Methadon wird in der Apotheke angemischt (Methadon, destilliertes Wasser, Konservierungsmittel und Verdickungsmittel). Es handelt sich in der Regel um eine 1% Lösung. Polamidon wird als fertiges Medikament von der Firma Hoechst angeboten.
Beide Medikamente werden oral eingenommen. Sie unterliegen den Vorschriften des Betäubungsmittelgesetzes. In Deutschland wird Methadon / Polamidon seit Anfang der 90er Jahre zur Substitutionsbehandlung von Drogenabhängigen eingesetzt.

Wie wirkt Methadon / Polamidon ??

Methadon: Molekularer Aufbau

Im Gehirn des Menschen gibt es bestimmte Nervenenden - sogenannte Rezeptoren - an die das Methadon / Polamidon "andockt". Es sind dieselben Rezeptoren, die für Heroin empfänglich sind.

Ausgehend von diesen Rezeptoren entfaltet das Methadon / Polamidon seine Wirkung im menschlichen Organismus. Ein Mensch, dessen Organismus von Heroin abhängig ist, wird also keinen körperlichen Hunger nach Heroin empfinden, wenn und solange er Methadon / Polamidon einnimmt. Anders ausgedrückt: Ein Drogenabhängiger, der unter Berücksichtigung seiner durchschnittlichen Heroindosis die richtige Menge Methadon / Polamidon erhält, wird keine körperlichen Entzugssymptome erleben.

Die Wirkung der Substitutionsmittel hält im Mittelwert 24 Stunden an - einer der Gründe warum Methadon / Polamidon als Substitut für Heroin eingesetzt wird. Im Unterschied zu Heroin setzt die Wirkung nach ca. 30 Min. ein und hält länger an.

Methadon / Polamidon befriedigt aber nicht den psychisch bedingten Hunger nach Heroin, weil das Substitut nicht in die Psyche des Menschen (Erleben, Gefühle usw.) eingreift. Methadon / Polamidon verschafft dem Konsumenten keinen "Kick", d. h. es euphorisiert nicht, es dichtet die Psyche nicht gegen Reize aus der Umwelt oder aus dem Inneren des Menschen ab.

Methadon / Polamidon hat ein hohes Abhängigkeitspotential - vergleichbar dem des Heroins, d. h. wenn es abrupt abgesetzt wird, erlebt der Betroffene einen heftigen körperlichen Entzug. Wie bei allen starken Medikamenten können Nebenwirkungen auftreten. Das Ob und das Wie von Nebenwirkungen hängt vom individuellen Organismus ab. Viele Nebenwirkungen klingen ab, wenn sich der Organismus auf das Medikament eingestellt hat und es nicht zu einem Gebrauch anderer Drogen kommt. Die tödliche Dosis (Atemstillstand) liegt bei 40 Milligramm Methadon bei einem Menschen, der keine Drogen konsumiert.

Codein

Codein: Molekularer Aufbau

Codein (Handelsname) wurde vom Bundesgesundheitsministerium Mitte 2001 als Substitutionsmittel zugelassen (siehe Änderung der Betäubungsmittelverschreibungsverordnung vom 01. Juli 2001).

Codein enthält als Wirkstoff ein im Opium vorkommendes Alkaloid. Es gibt drei Darreichungsformen: Codeinsaft (2,5% Dihydrocodeinlösung), codeinhaltige Tabletten und Kapseln. Da Codein das Hustenzentrum im Zentralnervensystem hemmt, wird es als hustendämpfendes Mittel eingesetzt.

Die Verschreibung von Codein als Substitut ist an die folgenden Voraussetzungen gebunden:

  • Ein Klient wurde über längeren Zeitraum mit Codein substituiert und das Medikament hat sich im konkreten Fall bewährt.
  • Gegenüber anderen Substitutionsmittel liegt eine Unverträglichkeit vor.
  • Dem Klienten ist die Umstellung auf ein anderes Substitutionsmittel nicht zumutbar.

Als Morphinderivat bewirkt Codein aber auch ebenso wie Methadon/Polamidon eine "Sättigung" der Opiatrezeptoren im Gehirn eines Menschen. Pharmakologisch gesehen ist Codein für die Substitutionsbehandlung geeignet. Allerdings bringt die geringe Wirkstärke des Codein (1000 - 5000 Milligramm Codeinphosphat) einige praktische Probleme mit sich. So muss der Drogenabhängige z. B. zweimal täglich die Arztpraxis aufsuchen, um das Substitut einzunehmen. Gibt der Arzt dem Patienten eine größere Menge Codein mit nach Haus, ist die Einnahme des Substituts der unmittelbaren Kontrolle durch den Arzt entzogen.

Obwohl die Codeinsubstitution immer wieder stark kritisiert worden ist, zeigten doch die wenigen wissenschaftlichen Studien ähnlich gute Ergebnisse wie die Methadonsubstitution (DEGWITZ 1996; VERTHEIN et al. 1996).

Codein unterliegt den betäubungsmittelrechtlichen Vorschriften. Die wurden in der jüngsten Zeit verschärft mit der Folge, dass Codein als Substitut nur noch auf Betäubungsmittelrezept verschrieben werden darf und auch nur dann, wenn eine Unverträglichkeit gegenüber Methadon / Polamidon diagnostiziert wurde. Bis zum 31.12.1999 galt eine Übergangsregelung.

Subutex

Subutex: Molekularer Aufbau

Subutex (Handelsname) mit dem Wirkstoff Bubrenorphin wurde im Februar 2001 vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte als Substitutionsmittel zugelassen. Subutex wird in Tablettenform gegeben.

Der Klient muß die Tablette für 5 bis 10 Minuten unter der Zunge zergehen lassen. So wird die ausreichende Aufnahme in der Stoffwechsel gewährleistet.

Bei welchen Drogenabhängigen ist eine Einstellung bzw. Umstellung auf Subutex sinnvoll?

  • Bei Klienten, die mit Methadon substituiert werden, zukünftig ganz auf ein Substitutionsmittel verzichten wollen (Abdosierung).
    Subutex bietet sich dabei deshalb an, weil es ein geringeres Abhängigkeitspotential (als Methadon) hat und weil unter Subutex die Entzugssymptomatik weniger ausgeprägt ist (leichtere Entgiftung).
  • Bei Klienten, die unter Methadon an ausgeprägten Nebenwirkungen leiden wie z. B. Schwitzen oder depressiven Verstimmungen. Subutex ist also angezeigt bei Unverträglichkeit gegenüber Methadon.
  • Bei Klienten, die nach einer Alternative zur Take-Home-Vergabe des Methadons suchen.
    Denn: Untersuchungen haben gezeigt, dass eine Gabe von Subutex auch nur alle zwei bis drei Tage möglich ist.
  • Bei Klienten, die auf eine Dosis von 30 - 40 mg/Tag Methadon stabil eingestellt sind. Diese Voraussetzung sollte bei einer Umstellung von Methadon auf Subutex in jedem Fall beachtet werden.